Woodpecker Blog

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Die Zeit ist reif – aber wofür eigentlich? Über den Sinn und Unsinn der Sommerzeit

Zweimal im Jahr ist es so weit: Die Uhr wird verstellt. Und obwohl wir das jetzt seit Jahrzehnten machen, wirkt es immer noch wie ein kollektiver Scherz, den niemand so richtig lustig findet – außer vielleicht die Hersteller von Funkuhren.

Gerade war wieder dieser Moment:
“Vergiss nicht, die Uhr umzustellen!” – ein Satz, der sich in deutschen Haushalten hält wie „Mach das Licht aus, wir sind doch nicht bei der Bahn!“. Also gut, ich stelle meine Uhr um. Eine Stunde vor. Weil… ja, warum eigentlich?

Die Ursprungslegende – oder: Als Energiesparen noch sexy war

Man erzählt sich, die Sommerzeit sei einst eingeführt worden, um Energie zu sparen. Weniger künstliches Licht, mehr natürliches Tageslicht. Klingt logisch – so logisch wie der Gedanke, dass man durch Uhrenverstellen das Tageslicht verlängern kann. (Spoiler: Die Sonne interessiert sich nicht für unsere Wecker.)

Heute leben wir in einer Welt voller Bildschirme, LED-Lampen und Kühlschränke, die mehr mitbekommen als mancher Kollege im Montagmorgen-Meeting. Und doch halten wir an diesem Relikt fest wie ein Boomer an seinem Faxgerät.

Jetlag ohne Urlaub

Die Umstellung bringt jedes Mal dasselbe Drama mit sich: Der Bio-Rhythmus streikt, der Hund guckt irritiert, warum er plötzlich früher oder später sein Futter bekommt, und mein eigener Schlafrhythmus verhält sich wie Windows nach einem Update – unberechenbar, langsam und leicht beleidigt.

Wenn ich schon unter Jetlag leide, will ich wenigstens ein Flugticket in der Hand haben und ein kleines Flugzeugessen mit Gabeln, die aussehen wie aus der Puppenküche.

Europa sagt: „Lass mal abschaffen“ – und macht… nix

Vor ein paar Jahren hat die EU sogar gefragt, ob wir das Ganze nicht einfach sein lassen wollen. Millionen Menschen haben abgestimmt. Und dann? Dann passierte… nichts. Wahrscheinlich wartet man auf eine Zeit, in der man
mehr Zeit hat, sich darum zu kümmern.

Werde ich die Abschaffung noch erleben?

Tja, das ist die große Frage. Ich meine, ich habe erlebt, wie die Mauer fiel, wie Telefone smart wurden und wie man plötzlich Influencer sein konnte, ohne etwas zu können. Da müsste doch eine simple Zeitumstellung schaffbar sein, oder?

Aber vielleicht ist das Ganze ein geheimer Test. Wer sich nach der Umstellung noch orientieren kann, darf mitreden. Alle anderen… tja, die merken’s eh nicht mehr.

Mein Fazit: Lasst die Uhr doch einfach Uhr sein!

Ich plädiere für eine einfache Regel: Die Zeit bleibt, wo sie ist. Wer mehr Licht will, soll früher aufstehen. Wer mehr Schlaf will, soll früher ins Bett. Und wer beides will – der ist wahrscheinlich schon in Rente.

Bis dahin: Viel Spaß beim Uhrenumstellen. Ich gehe jetzt meinen Backofen programmieren. Die lebt noch in der Winterzeit von 1994.

Die Momente, nach denen alles anders war

Gegen Ende meiner Corona-Erkrankung kreisen meine Gedanken nicht mehr um Übelkeit, Kopfschmerzen oder die Frage, ob ich nun schlafen kann oder nicht. Stattdessen tauchen plötzlich Erinnerungen auf, die tiefer gehen. Gedanken, die unter die Haut gehen.

Jeder kennt sie – diese „ersten Male“, die unser Leben prägen. Manche bemerkt man sofort, andere erst, wenn man Jahre später zurückblickt. Wir erzählen oft von ihnen, manchmal verklärt, manchmal mit einem Schmunzeln. Doch oft steckt hinter diesen Momenten mehr, als uns bewusst ist.

Wann hörte ich eigentlich auf, mit meinen Matchbox-Autos zu spielen? War es eine bewusste Entscheidung? Habe ich sie eines Tages einfach beiseitegelegt und nie wieder zur Hand genommen? Oder war es ein schleichender Prozess, bis irgendwann etwas anderes wichtiger wurde?

War „das erste Mal“ wirklich so romantisch, wie ich es mir nach all den Jahren einrede? Oder war es eher unbeholfen, voller Unsicherheiten und Zweifel? Wir erzählen uns selbst Geschichten über die Vergangenheit, formen sie mit der Zeit um, lassen manches weg, betonen anderes. Doch was war die Wahrheit? Und ist sie überhaupt wichtig?

Wie fühlte es sich an, zum ersten Mal mit eigener Hand ein Boot zu segeln? Der Moment, wenn der Wind das Segel füllt, das Boot sich in Bewegung setzt und man plötzlich spürt: Das liegt jetzt in meiner Hand. Eine Mischung aus Angst und Euphorie, aus Kontrolle und dem Bewusstsein, dass man eben doch nie alles kontrollieren kann.

Wenn ich so darüber nachdenke, gibt es viele solcher Momente im Leben. Ereignisse, nach denen nichts mehr so war wie zuvor. Manche erleben wir voller Bewusstsein, in anderen steckt die Veränderung erst im Verborgenen – bis wir irgendwann zurückblicken und erkennen, dass dort, genau dort, ein Bruch, ein Übergang, eine Wende war.

Welche dieser Momente sind dir in Erinnerung geblieben? War es das erste Fahrrad ohne Stützräder? Der erste Kuss? Die erste große Enttäuschung? Oder ein völlig unerwarteter Augenblick, der sich in dein Gedächtnis gebrannt hat, ohne dass du je erklären konntest, warum?

Vielleicht lohnt es sich, ab und zu innezuhalten und zurückzublicken. Nicht aus Nostalgie, sondern um zu verstehen, wie wir wurden, wer wir heute sind.

Die bedrohte Demokratie: Was Trumps Amtseinführung uns wirklich sagt

Die Amtseinweihung eines US-Präsidenten ist traditionell ein Fest der Demokratie. Sie steht für Transparenz, für den friedlichen Machtübergang und für die Einheit einer gespaltenen Nation. Doch mit Donald Trump scheint sich diese Symbolik zu verändern. Eine Amtseinführung unter geschütztem Dach, abgeschirmt von den ikonischen Bildern der National Mall, mag auf den ersten Blick eine rein pragmatische Entscheidung sein. Doch sie wirft beunruhigende Fragen auf: Was sagt dieser Moment über den Zustand der amerikanischen Demokratie aus? Und was bedeutet er für die Zukunft?

Trump hat sich stets als der Mann inszeniert, der sich über Traditionen hinwegsetzt. Doch die Entscheidung, die Amtseinführung in einen geschützten Raum zu verlegen, wirkt symbolisch für eine Präsidentschaft, die weniger auf demokratischen Prinzipien als auf der Macht einer Einzelperson basiert. Die Menschenmassen, die sonst auf der National Mall stehen, sind nicht nur Kulisse – sie sind ein Zeichen der Teilhabe, ein Ausdruck der demokratischen Legitimität. Wenn diese Bühne verschwindet, bleibt ein Bild der Isolation zurück.

Noch alarmierender ist die Botschaft, die diese Inszenierung sendet. Trump braucht keine traditionellen Symbole der Demokratie mehr. Er hat sich selbst als das Zentrum der Macht etabliert. Seine Anhänger sehen in ihm nicht nur einen Präsidenten, sondern einen Heilsbringer, der sich über die Regeln und Normen hinwegsetzt. Doch gerade diese Konzentration von Macht in den Händen einer Person ist das, was Demokratien seit jeher bedroht.

Was bedeutet diese Entwicklung für die amerikanische Demokratie? Eine Amtseinführung sollte ein Moment der Transparenz sein, ein Beweis dafür, dass die Macht vom Volk ausgeht. Doch wenn diese Zeremonie hinter verschlossenen Türen stattfindet, vermittelt sie genau das Gegenteil. Sie signalisiert eine Regierung, die sich von den Menschen entfernt hat, die sie eigentlich vertreten soll.

Hinzu kommt, dass Trump mit seiner Rhetorik und seinen Taten wiederholt Zweifel an den demokratischen Institutionen gesät hat. Vom Anzweifeln der Wahlergebnisse bis hin zur Herabsetzung der Presse als „Feind des Volkes“ – diese Strategien untergraben das Vertrauen in die Grundpfeiler der Demokratie. Die Verlagerung der Amtseinführung ins Innere ist nur ein weiterer Schritt in Richtung einer Politik, die weniger auf demokratischer Legitimität und mehr auf der reinen Machtausübung basiert.

Die Amtseinweihung unter geschütztem Dach mag wetterbedingt sein, doch ihre Symbolik reicht weit darüber hinaus. Sie ist ein Sinnbild für eine Präsidentschaft, die demokratische Werte zunehmend in Frage stellt und auf die Macht einer Einzelperson konzentriert. Die amerikanische Demokratie steht an einem Wendepunkt, und die Welt schaut zu.

Jetzt ist es wichtiger denn je, die Bedeutung demokratischer Institutionen und Prinzipien zu verteidigen. Denn wenn diese Symbole verloren gehen, was bleibt dann von der Demokratie?

Von Essen nach Potsdam – Eine Zugfahrt voller Überraschungen

Reisen mit der Deutschen Bahn ist immer ein kleines Abenteuer.

Diesmal sollte es von Essen nach Potsdam gehen. Geplant war eine ruhige Fahrt mit dem ICE 847, doch wie so oft, kam es anders.

Der Beginn: Verspätung in Essen
Die erste Nachricht kam direkt vor der Abfahrt: Statt des geplanten ICE 847 würde nun der ICE 2947 fahren – und dieser hatte bereits 10 Minuten Verspätung. Kein großes Drama, dachte ich. Doch ich hatte die Rechnung ohne die Bahn gemacht.

Kupplung kaputt – Der Stau auf Schienen
In Dortmund sollte unser Zug mit einem anderen ICE gekoppelt werden. Doch als wir dort ankamen, stellte sich heraus: Die Kupplung am anderen Zug war defekt. Was bedeutete das für uns? Warten in Hamm, während der verspätete ICE in Dortmund zuerst einläuft. Das Ergebnis: Auf den ersten 60 Kilometern hatten wir bereits mehr als eine Stunde Verspätung gesammelt. Willkommen im Bahnalltag!

Neues Umfeld: Pro Gamer an Bord
Ab Bielefeld wurde die Fahrt dann – sagen wir mal – interessanter. Eine Gruppe junger Pro Gamer stieg zu. Sie waren auf dem Weg nach Prag zu einem E-Sport-Turnier. Ich verstand zwar die Sprache – Deutsch – aber die Inhalte? Ein Rätsel. Strategien, „Builds“, „Combos“ und „Meta-Gaming“ flogen durch die Luft, und ich fühlte mich plötzlich sehr, sehr alt.

Generation Gap: Wie wird heutzutage Geld verdient?
Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich oft nicht mehr verstehe, wie die digitale Welt funktioniert – geschweige denn, wie darin Geld verdient wird. Twitch-Streams, Sponsoring, In-Game-Käufe? Für mich klingt das so fern wie der Handel mit Tulpenzwiebeln im 17. Jahrhundert. Und doch ist es Realität. Diese jungen Leute verdienen ihren Lebensunterhalt, indem sie Computerspiele auf einem Niveau spielen, das ich mir nicht einmal vorstellen kann.

Fazit: Mehr als nur eine Zugfahrt
Die Reise von Essen nach Potsdam war nicht nur durch Verspätungen und Umplanungen geprägt. Es war eine kleine Zeitreise in die Gegenwart. Die Welt verändert sich, und manchmal fühlt es sich an, als sei man nur noch ein Beobachter. Doch genau das ist das Spannende: Immer wieder Dinge zu erleben, die man nicht versteht – und daraus zu lernen.

Vielleicht ist das Reisen mit der Bahn ja deshalb so interessant. Es zeigt nicht nur, wie Deutschland funktioniert (oder eben nicht), sondern auch, wie sich die Gesellschaft wandelt. Und das ist – trotz Verspätungen – jede Minute wert.

Sauna-Sozialstudie: Alte Tattoos und rosa Bademäntel

Jeden Woche einmal gönne ich mir eine kleine Auszeit vom Alltag – nicht nur, um zu entspannen, sondern auch, um interessante Einblicke in das soziale Miteinander zu gewinnen. Mein Zielort: die Sauna. Ein Ort, an dem Masken fallen und Menschen, manchmal wortwörtlich, alles von sich zeigen.

Rosa Bademäntel und versteckte Unsicherheiten
Schon von Weitem fällt sie mir auf: die Frau im rosa Bademantel mit Sternchen. Sie sitzt meist am Rand, verborgen hinter einer Freundin, die selbstbewusst durch den Raum schreitet. Man könnte meinen, sie sei zum ersten Mal hier – die Unsicherheit ist spürbar. Ein interessanter Kontrast zu ihrer Freundin, die sichtlich routiniert in dieser Umgebung wirkt. Ich frage mich, ob sie sich hier wirklich entspannen kann, oder ob dieser Besuch mehr ein Akt des Mutes ist.

„Fresh“: Tattoos und unerwartete Komplimente
Gerade als ich wieder in Gedanken versinke, tritt ein junger Mann an mich heran. Sein Blick bleibt an meinen Tätowierungen hängen. „Die sehen fresh aus!“ sagt er lächelnd. Ein Moment, der mich unerwartet trifft. Soll ich danken? Soll ich irritiert reagieren? Es ist eine dieser Situationen, die man erst einmal sacken lassen muss. Schließlich entscheide ich mich für ein dankbares Lächeln. Es gibt Schlimmeres als „fresh“ bezeichnet zu werden, denke ich.

Warum Sauna?
Diese wöchentlichen Besuche bieten mehr als nur Schwitzen und Relaxen. Es ist ein Mikrokosmos der Gesellschaft, eine Bühne, auf der Menschen unbewusst kleine Dramen aufführen. Von Pärchen, die ihre Zuneigung oder Konflikte offenbaren, bis hin zu Einzelgängern, die in ihrer Ruhe schwelgen – die Sauna zeigt uns, wie unterschiedlich Menschen mit Intimität und Gemeinschaft umgehen.

Fazit
Manche gehen in die Sauna, um Stress abzubauen. Andere, um ihre Gesundheit zu fördern. Ich gehe, um all das zu erleben – und um ein wenig mehr über uns Menschen zu lernen. Und falls mir dabei jemand sagt, dass meine Tattoos „fresh“ aussehen, nehme ich das mit einem Augenzwinkern als Kompliment.